Nicht für ne Million Dollar Baby

Ich mag mich ja an einem ganz normalen Tag nicht so gern dem allgemeinen Geheule über die Ungerechtigkeiten dieser Welt anschließen. Doch heute habe ich etwas getan, worüber ich mich hier sehr gern auslassen möchte. Ich dachte mir an diesem schönen Samstag Abend im Februar, dass es eine Super Idee wäre, mal das Downloadportal einer von anderen liebevoll als ‘Schweineladen’ bezeichneten großen deutschen Elektrofachmarkt-Kette auszuprobieren. Ich hatte Erwartungen. Die wurden übertroffen.

Das Objekt der Begierde sollte der von mir sehr geschätzte Film “Million Dollar Baby” von Clint Eastwood sein. Die Präsenzstelle der Kette im schönen Schwedt hatte den heute nicht vorrätig, der Supermarkt auch nicht und auch iTunes hat den gerade nicht am Start. Da fiel mir en, dass ja der geschätzte Fachmarkt auch so ein hübsches Downloadportal betreibt. Also hin da, die Suche benutzt und gleich fündig geworden. Und dann ging es los:

Bestellvorgang & Bezahlung

Den Film in den Warenkorb gelegt, äh, wie eigentlich. Völlig selbst erklärend klickt man natürlich auf das Download-Format, nicht etwa auf den Preis oder so. Es werden Microsoft Silverlight (keinerlei Erfahrung damit) und DivX angeboten. Kauft man halt DivX. Ist ja auch für jeden denkbaren User völlig normal, dass der weiss, dass Silverlight und DivX keine spacigen Namen für Backförmchen sind. Also ab in den Warenkorb und auf ‘kaufen’ geklickt. Jetzt durfte ich mich das erste Mal registrieren. Ohne ging nicht. Da bekommt man eine E-Mail mit nem Link, der sich in einem neuen Fenster bzw. Tab öffnet und oh Wunder, der Warenkorb ist wieder leer. Dann eben noch mal von vorn, war ja nicht so schwer. Als Bezahlvarianten stehen Videodownloadkarten (???Verfügbar in Ihrer Präsenzstelle???) und Click&Buy zur Verfügung. Das wurde dann die zweite Anmeldung beim ersten externen Anbieter mit voller Anschrift, Kontoverbindung, Geburtsdatum usw. Ich hatte mich schon entschieden, das durchzuziehen, nur um zusehen, wie weit das geht. Datensparsamkeit geht anders.

Download Part One

Dann war ich der Meinung, dass ich jetzt den Film herunter laden dürfte. Klick > Download > Million Dollar Baby.tix (4kb) Das nenne ich mal ne Hamma-Komprimierung. Und nu? Der Mac wusste das auch nicht. Beim Öffnen mit nem Texteditor wurde klar, dass es sich wohl um eine xml-Datei handelt, die irgend einem Programm sagt, wo es den Film her holen soll. Nachdem ich fast die ganze Seite beim Verkäufer leer gelesen hatte bekam ich Post von donotreply@divx.com. Hey, neue Freunde, toll! Da war auch noch mal ein Downloadlink drin und ein Link zum DivX-Player. Ich klicke auf den Link in der E-Mail und es startet sofort ein Download einer .pkg-Datei die dann auch sofort loslegt. Yippeeyahey Schweine… wer ist hier der Chef auf meinem Mac? Na ja, ich musste ja zumindest noch mein Passwort zum installieren eingeben. Jetzt habe ich auch noch einen stand allone DivX-Player. Toll, Toll, Toll! Ick freu mir so! DivX hat es ja schon unter Windows nicht geschafft einen Player zu entwickeln, der sich konsistent in das Betriebssystem integriert. Diese Strategie setzen sie auf dem Mac konsequent fort. Hochachtung.

Download Part Two

Jetzt habe ich mal versucht, die .tix-Datei mit den neuen DivX-Player zu öffnen. Ging. Download startete und 1,38 GB flatterten so in ca. 20 Minuten auf meine Festplatte. Das geht so. Der Film war dann nicht im definierten Ordner zu finden. Dazu musste ich den Player erst einmal beenden. Ich hatte ja gehofft, dass ich den Film jetzt mit QuickTime oder VLC anschauen könnte. War nur ne Hoffnung.

Play as Player can

LittleSnitch Regeln für den DivX-PlayerAbspielen kann das cineastische Kunstwerk natürlich wieder nur der schicke DivX-Player. Wo der zur DRM-Überprüfung überall hintelefonieren muss, kann man gern der angefügten Grafik entnehmen.  Man muss sich im Übrigen auch noch persönlich registrieren mit E-Mailadresse und Passwort. Der Rechner wird da von DivX als autorisiertes Abspielgerät gespeichert.

Zur Qualität kann ich so viel sagen, dass ich durchaus bereit wäre Geld dafür zu bezahlen, einen Film der als Datei vorliegt mir Bordmitteln in ansprechender Qualität zu schauen. Da rede ich noch gar nicht von HD, Untertiteln oder Originalton bzw. Mehrsprachigkeit, wie man das auf einer DVD vorliegen hätte. Mir würde es bereits genügen, wenn ich den Film ohne diese nervige Ruckelei schauen könnte. Liegt am Programm. Es ruckelt beim nochmaligen Schauen an anderen Stellen in unterschiedlicher Intensität. Mein MacBook Pro taugt schon täglich zum ruckelfreie Videos kucken.

Wenn der Film gerade nicht läuft, darf ich mir im Player Werbung für einen DivX zertifizierten Hardware HD Media Player anschauen. Isch gloob isch hab ‘n Sonny.

Fazit

Ich würde mich ja an dieser Stelle gern über die User-Experience meines Einkaufes auslassen. Allein es gab keine. Beziehungsweise eine so schreckliche, dass zum Wohle meiner geistigen Gesundheit unverzügliche Verdrängungsmechanismen greifen. Ich habe mich sehr geärgert und wenn ich auf der Internetseite noch ne Telefonnummer finden sollte, die man kostenlos anrufen kann, dann darf sich das auch gern noch jemand anhören.

Meine Einschätzung als Fachmann:

  • Der Bestellvorgang geht mal gar nicht.
  • Mit den verfügbaren Bezahlmöglichkeiten verjagt man wahrscheinlich auch noch die vorletzten Kunden.
  • Ich kaufe bei einem Onlineshop einen Download und ich muss zwei weiteren Firmen Personen bezogene Daten in nicht unerheblichem Umfang bekannt machen, damit ich meinen Einkauf überhaupt bekomme oder benutzen kann.
  • Es fällt mir unter Einbeziehung meiner User-Support-Erfahrungen schwer, mir vorzustellen, dass ein normaler Computerbenutzer den Bestellvorgang Unfallfrei zu ende bringt.
  • Die Qualität des Anschauens auf dem Mac ist nicht akzeptabel.

Es nervt so sehr, dass ich dort nicht noch einmal zuschlagen werde.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass zumindest die Funktionalität und die Qualität des Medienkonsums auf einem Notebook unter Windows XP und mit maximal halb so viel Rechenleistung den Erwartungen entspricht. Dass das Paket auf einem Mac nicht funktioniert spricht jedoch wiederum Bände im Bezug auf die Wertschätzung von Kunden.

Ich habe mir heute die DVD für 3,- EUR auf eBay geshoppt. Das wäre gleich die bessere Variante gewesen.

In der letzten Folge des Podcasts MobileMacs “MM059 Das Internet braucht mehr Sex” hat sich der Herr Pritlove in einer Art und Weise über Hardwareproduzenten geäußert, die meine Gefühle für die Umsetzung von Konsumangeboten im Netz sehr gut wiedergibt. Hier zum Abschluss und zum feiern der kurze Ausschnitt:

MobileMacs 059 Ausschnitt Pritrant | Danke dafür, aus dem Herzen, welch ein Fest!

Sollte sich jemand fragen, ob ich eine konkrete Vorstellung davon habe, wie man so etwas wesentlich Kundenfreundlicher umsetzen kann. Ja, die habe ich. Kann man kaufen!

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3 Kommentare

  1. Erstellt am 16. Februar 2011 um 10:04 | Permanent-Link

    Und aus diesem und anderen Gründen werde ich ab sofort täglich unsern schnuckeligen DVD-Player abstauben, gebe ihm nur noch Öko-Strom zu fressen und werde sein Gebiss niemals mit Bluuree verunreinigen. Moment mal! Da steht ja noch ein VHS-Rekorder – wie geil!

  2. Jeanie17
    Erstellt am 16. März 2013 um 18:23 | Permanent-Link

    Herr Messer – ich kam aus dem Nicken nicht mehr raus. Bei mir hakte das Ganze schon beim Download. Den Filmgenuss hat mir das alles gewaltig vermiest. Nah am Magengeschwür war ich. Ergo: ich kaufe wieder brav meine Filme – Fahrrad und hin ins Geschäft. Ist luftiger, gesünder, auf Nummer sicher. Grüsse

    • id42
      Erstellt am 16. März 2013 um 18:34 | Permanent-Link

      Ich habe mich seither erfolgreich darauf verlegt, die Filme, die ich gern sehen und in meinem Archiv haben möchte, gebraucht zu erwerben. Die Kosten sind in etwa genauso hoch oder sogar niedriger. Das einzige, das so nicht funktioniert, ist eben gleich kucken zu können.

      Dafür lebt man wahrscheinlich länger \o/

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